Wind, Sand und Meer

Tarifa gilt als die Windhauptstadt Europas – mit allen Vor- und Nachteilen. Ohne Ohrenschützer geht hier gar nichts. Auf der schon etwas „schwungvollen“ Überfahrt waren wir mit einem älteren britischen Ehepaar ins Gespräch gekommen, das in Gibraltar lebt und gerne mal „kurz“ rüber nach Afrika fährt. Er war bei der Royal Navy gewesen und allein schon deshalb wirkte sein Gesichtsausdruck sehr beruhigend auf meinen Magen. Kaum am Pier angekommen wunderte ich mich allerdings über den kleinen haarigen Mops, dem die Frau plötzlich hinterherlief, weil er nicht mal angeleint war. So dachte ich jedenfalls – für einen Moment. Nur als ihr Mann dann völlig cool sagte „das passiert ihr ständig“ und sich kein bisschen in Bewegung setzte, merkte ich, dass ihr offensichtlich ihre Perücke vom Kopf geweht worden war… :-)) In solchen Momenten hätte ich gerne ne Kamera in der Brille!

Westlich der Stadt dehnt sich ein riesig langer Strand aus, an dem quasi das ganze Jahr über Surfer mit den Elementen und auch mit ihrem Leben spielen. Aber ich als Schisser kann deren Vergnügen einfach nicht ermessen, ich bin auf unserem langen Spaziergang nur schwer beeindruckt von den Luftsprüngen, die die Kitesurfer machen und deren rasantem Tempo. Wie das alles hier beim Andrang in der Hauptsaison funktionieren kann, ist mir ein Rätsel. Es sieht lebensgefährlich aus.

Es ist so faszinierend, dass es dabei dunkel wurde, aber die Besessenen kennen ja keine Zeit.

Wir Fußgänger kommen immerhin auf 23000 Schritte heute – jetzt freu ich mich aber auch sehr aufs Abendessen.

Tapas müssen es heute sein und die Auswahl in der Stadt ist riesig. Die Spanier gehen dafür gerne von Lokal zu Lokal und essen überall ein bisschen. Mal sehen, wie wir´s machen werden…die Qual der Wahl bleibt ja auch dann, es hilft alles nichts.

Doch egal, welche Strategie wir uns überlegen – unsre Beine wollen nicht mehr weit gehen und so bleiben wir gleich in der Nähe unsres Appartments, erst in La Romanera und für nen „Nachtisch“ dann noch in der Bar El Frances.

Wir wissen nicht immer, was wir da gerade bestellen, aber alles erweist sich als köstlich:

Dazu ein paar Gläser Rioja…. und zuletzt interessante Gespräche am Nachbartisch, denen wir uns schwerlich entziehen können: offensichtlich eine Gruppe ausländischer Studenten (Helfer?), die sich für lokale Ereignisse im Zusammenhang mit Flüchtlingen interessieren und gerade eine Einführung von einem älteren Spanier bekommen. Das wirkt zusammen mit dem guten Essen schon etwas skurril, denn die Geschichten sind teilweise gruselig. Mich berührt dabei, wie der Mann trotz der Nummern und Zahlen von Menschen spricht, die Träume haben und er für sie Verständnis. 2018 waren an einem einzigen Tag mal 700 junge Männer mit Schlauchboten aus Marokko in Tarifa angekommen, 1100 waren aufgebrochen, an anderen Tagen sind es auch schon 500, die ja alle erst mal irgendwie untergebracht und versorgt werden müssen. Die Rettungsregelungen wurden mittlerweile so erschwert, dass es länger dauert, Gekenterte zu erreichen und damit deren Chance sinkt zu überleben, sodass schon auch mal Tote an den Strand gespült werden. Das soll abschreckend wirken. „Die meisten von ihnen würden glücklicher, wenn sie zu Hause blieben.“ Die Statistiken der Einwanderungsbehörde würden belegen: fast alle der neuen Migranten kommen aus der Mittelschicht, sie träumen von Wohlstand, manche von Karrieren als Musiker oder Fußballer. „Fast alle erleben in Europa einen krassen sozialen Abstieg, sie werden unglücklich, sie sind in der Sackgasse“ sagen Helfer, die täglich die ankommenden Überlebenden versorgen. Traum und Albtraum.

Mir fällt dazu „Osmose“ ein…Die Kombination aus Kolonialismus und jahrhundertelanger Afrikaausbeutung einerseits und digital-vernetzter Welt andererseits kann doch gar nichts anderes hervorbringen als dass Ausgleichsbewegungen stattfinden…Wir vergessen ja zu leicht, dass unser Wohlstand nicht nur auf die gerne zitierte Leistung zurückgeht, sondern eben in erheblichem Ausmaß auf Ausbeutung von für uns namenlose „Ausländer“ rund um den Globus. Das rächt sich nun.

Tangerine dream

Schon vorm Aufwachen dachte mein Hirn darüber nach, was es überhaupt mit Tanger assoziiert. Das eigene Hirn funktioniert halt wie ein Dauersender. (Als ich mal ne Woche in Taizé war, sang es zum Beispiel schon, bevor ich ganz wach war. Das hat mir damals gezeigt, wie wichtig es ist, was man da reinfüttert – es kommt nämlich wieder als innere „Radiosendung“ zurück.)

Ich glaube, das erste Mal habe ich das Wort „tangerine“ in dem Beatles-Song „Lucy in the sky with diamonds“ gehört. Da ging´s um tangerine trees, ich verstand als Teeny aber immer „tangerine dreams“. Freundlicherweise benannte sich ungefähr zeitgleich eine deutsche Band genau so… Diese Mandarine aus Tanger – auf englisch klingt sie schon so süß und saftig, wie sie schmeckt…

Tangerine Trees and Marmalade Skies - The Plum Girl

Auf dem nahen Markt decken wir uns damit ein für unsre heutige Weiterreise. Und mit Ingwer, gegen Seekrankheit. Und dann frühstücken wir im ältesten Hotel Tangers, dem Hotel Continental, noch mit dem marokkanischen Arabisch im Ohr und schon mit Blick auf den nahen Hafen…

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Ein verwinkelter Bau im maurischen Stil mit arabischem Dekor wie aus 1001-Nacht, dazu Fotos aus 130 Jahren an den Wänden, die „hohe“ Gäste aus vergangenen Zeiten zeigen und einen damit indirekt auf die eigene Unwichtigkeit hinweisen – nur dass wir gerade den Vorteil haben, noch zu leben und die alle schon tot sind.

Über die vielen Stufen des Hotelgeländes gelangen wir ganz leicht runter zum Hafen und unserer Fähre nach Spanien.

Wir wählen die kürzere Strecke, nach Tarifa – „der südlichsten Stadt des europäischen Festlandes“ . Luftlinie sind es 31 km, an der engsten Stelle wären es nur 14 km, aber da geht keine Fähre. Dass diese Meerenge für Flüchtende attraktiv ist, ist zumindest geografisch nachvollziehbar.

Satellitenaufnahme (links: Spanien, rechts: Marokko)
Links Spanien, rechts Marokko

Was haben wir es gut, dass wir mit unseren Pässen einfach ne Fähre buchen können… Jetzt müssen wir nur den üblichen starken Wind in der „Straße von Gibraltar“ aushalten, vor dem mich eine Freundin warnte. Ich hoffe, dass ich einfach gar keine Zeit habe, seekrank zu werden.

Neulich titelte die taz in ihrer Klima-Sonderausgabe: „Alle im selben Sturm, aber nicht im selben Boot.“ In welchem „Boot“ wir sitzen, bestimmt, wann wir untergehen…Kein schöner Gedanke. Vielleicht ist es ein riesiger Fehler, immer von der „Klima“katastrophe zu sprechen, wo es doch um eine humanitäre und eine biologische geht, in die wir unaufhörlich rutschen.

Das menschliche Gedächtnis ist scheinbar zu kurz, um aus der Geschichte zu lernen. Ingeborg Bachmann sagte einmal: „Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler“. Und wäre nicht gerade Corona der reisebestimmende Faktor, würde wahrscheinlich auch ich jetzt schon wieder in schmerzfreier kognitiver Dissonanz eine Reise unternehmen mit einem CO²-Abdruck, für den ich mich nicht nur schämen müßte, sondern den ich verhindern müßte. Das blöde an zukünftigen Katastrophen ist, dass sie nicht vorher schon weh tun. Zumindest den meisten. Von daher bin ich Greta Thunberg sehr dankbar, dass sie nicht locker läßt, diesen zukünftigen Schmerz schon in die Gegenwart zu holen.

Brosen windrose de.svg

Bis heute wußte ich gar nicht, was für schöne Namen diese Winde im Mittelmeer je nach Windrichtung haben:

Levante von Osten, dann im Uhrzeigersinn weiter mit Scirocco, Ostro, Libeccio, Poniente, Mistral, Tramontana und Gregale. Heute soll uns der Levante in die Quere kommen.

Wir sind nicht die einzigen auf diesem vielbefahrenen Nadelöhr. 300 Schiffe am Tag – und trotzdem über-leben hier auch noch Wale und Delfine.

Grindelwalmutter mit ihrem Neugeborenen.

Ich zitiere: „Die Stiftung firmm (Foundation for Information and Research on Marine Mammals) wurde 1998 von Katharina Heyer ins Leben gerufen und hat ihren Sitz in der Schweiz, Tarifa (Spanien) und Tanger (Marokko). Sie setzt sich für die Informierung, Forschung und den Schutz der Meeressäuger in der Strasse von Gibraltar ein.

In der Meerenge sind das ganze Jahr hindurch folgende Arten anzutreffen: gemeine Delfine, gestreifte Delfine, grosse Tümmler und Grindwale. Von April bis Juni kommen auch Pottwale zu Besuch und im Juli/August sogar Orcas. Mit etwas Glück begegnet man auch Finnwalen, wie sie zwischen Atlantik und Mittelmeer hin- und herpendeln.“

Von der Nordsee nach Tanger wiederum pendeln täglich LKWs mit 90% des deutschen Krabbenfangs, der hier in riesigen Hallen gepult wird, weil´s billiger ist, dafür 2 x 3000 km durch Europa zu fahren als die kleinen Viehcher direkt in Norddeutschland zu pulen. Beim nächsten Krabbenbrötchen mal dran denken – ca. 6,- Euro Tageslohn ist nicht viel…

Männer beim Krabben pulen in einer Halle in Tanger.

Nur 35 Minuten dauert die Überfahrt und die Sicht ist so klar, dass wir beide Küsten gleichzeitig sehen können. Von den Bergen der spanischen Seite grüßen uns massenhaft Windräder. Die stehen hier richtig.

Ferry Tarifa-Tanger
TARIFA: Spielball im Wind

Und dann sehen wir, wie schön Tarifa ist – quasi Tangers Schwester, und beschließen, hier eine Nacht zu bleiben.

Tarifa | andalusien 360°

Zwischen Hafen und Altstadt finden wir mit dem Puerta la Mar ein süßes Hotel

Bildergalerie dieser Unterkunft
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Es gab lange Zeiten, da wollte ich selbst gerne ein b&b betreiben und von daher genieße ich es sehr, wenn Gastgeber – wie hier – ihre Zimmer mit Hingabe schön machen. Dazu gehört eine Dachterrasse mit herrlicher Aussicht:

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Der Hafen von Tarifa – und im Hintergrund Marokko

Wir lassen hier unsren Hunger noch ein bißchen anwachsen, bevor wir nachher auf der Suche nach ner Tapasbar die Altstadt erkunden.

Gassen- und Gedankenwinkel

Nicht die Lautsprecherstimme des Muezzins hat mich geweckt, sondern die Sonne. Meine Silikonohrstöpsel sind auf jeder Reise ihr „Gold“ wert. Vor 8 Jahren in der Transsibirischen Eisenbahn hab ich gemerkt, dass es nichts nützt, mit Nichtschnarchern das Abteil zu teilen, wenn man nur von einer zentimeterdünnen Wand getrennt von einem Schnarcher schlafen möchte… Zuhause ging ich umgehend zum Hörgeräteakustiker, ließ meine Ohren ausgießen und eine Woche später hatte ich perfekt sitzende und perfekt schließende und scheinbar auch unverwüstliche Ohrstöpsel.

Als erstes ging ich wieder auf die Dachterrasse. Die kalkweiße Stadt leuchtet geradezu in der Sonne.

Wir frühstückten in einem kleinen Café gegenüber typisch marokkanisch:

Marokkanische Pfannkuchen Baghrir
Amlou Marokko

Pfannkuchen mit Amlou, einer köstlichen Paste aus Mandeln, Honig und Arganöl.

Und die Frühstückssuppe Bissara aus weißen Bohnen:

Marokkanische Bissara Suppe

Sehr sättigend!

Und wie immer war es einfach interessant, die Vorbeigehenden zu beobachten. Ich habe mir schon als Kind versucht vorzustellen, wie es wäre, plötzlich die Identität mit jemandem im Vorbeigehen zu tauschen. Aber ich kam dann nie weit mit meiner Vorstellungskraft. Heute kann ich mir so gut vorstellen, dass zwar das äußere Leben sehr verschieden wäre, aber das, was das Leben von innen antreibt, nicht: die Suche nach Harmonie, Liebe, Schönheit und das breite Spektrum aller Gefühle, die den Kompass dafür bilden.

Ein Anblick blieb mir besonders im Gedächtnis haften: ein junger Mann, der ein T-Shirt trug mit der Aufschrift: „I´m a muslim, not a bomb.“

Photo by Saad Meliani on Pexels.com

Dann machten wir uns auf den Weg zur Kasbah, ein Geschichtsmuseum hoch über der Stadt in einem ehemaligen Sultanspalast.

Und wieder mal haben mich die vielen Stufen überrascht: ich weiß ja, dass eine Landkarte nicht die Landschaft ist und trotzdem verführt mich das Flache eines Stadtplans immer wieder zu denken, eine Stadt wäre eben. Dem war also wieder nicht so, der Anstieg war geradezu schweißtreibend.

Tanger, das – aus europäischer Sicht – Tor zu Afrika, hatte eben deshalb derart viele Besatzungen über die Jahrhunderte. Am interessantesten fand ich, dass es von 1923 -1956, unterbrochen vom II. Weltkrieg, internationale Zone war mit allem was dazugehört: Steuerprivilegien, Briefkastenfirmen, Schmuggel aller Art, Drogen und Berühmtheiten aus aller Welt, die hier glamourös oder/und dauerbekifft lebten. Truman Capote nannte Tanger „die Stadt der Lumpen“ und Tennessee Williams hat hier „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ geschrieben, was mit Liz Taylor und Paul Newman so genial besetzt verfilmt wurde…

Die Katze auf dem heißen Blechdach“ (Richard Brooks) – Film antiquarisch  kaufen – A02mRDjo11ZZT

Nach unsrem kulturellen „Pflichtprogramm“ ließen wir uns den Rest des Tages durch die Gassen der Stadt treiben…Was Reiseführer gerne „malerisch“ nennen, ist oft Ausdruck von Armut und keineswegs so „romantisch“, wie man sich das als Tourist gerne selbst weismacht, um sich nicht zu schämen oder am eigenen Dasein und Reisesinn zu zweifeln. Zahnstümpfe in den lachenden Gesichtern selbst junger Menschen zeigen, dass es auch mit der Gesundheitsfürsorge nicht weit her ist.

Wenn ich dann allerdings die Märkte mit üppig aufgehäuften Lebensmitteln sehe, fange ich jetzt schon an, meinen eigenen Herd zu vermissen. Das kann nur durch köstliche Speisen kompensiert werden…

Tajine vegetarisch
Heute gibt´s Gemüsetajine.

Als wir dann mondlichtbeschienen zurück in unser Hotel gingen, fiel mir eine ähnliche Situation 1986 in Marrakesch ein, wo plötzlich über uns ein Hubschrauber flog, an dem eine riesige „goldene“ Krone hing. Und direkt danach sahen wir in den Nachrichten, wie ein Hubschrauber mit einer „goldenen“ Krone über Marrakesch flog. Anlaß war das 25. Thronjubiläum Hassan II. und das ganze wirkte so skurril inszeniert. Seit 21 Jahren ist nun sein Sohn König, einer der reichsten Männer der Welt. Wie kann jemand wie er ein geschätztes Privatvermögen von 5,2 Milliarden Euro haben(!) – und das Land ist immernoch bettelarm? Auf der Rangliste der REPORTER OHNE GRENZEN belegte Marokko 2017 Rang 133 von 180. Kritik am König ist verboten und wird als „Angriff auf die heiligen Werte der Nation“ mit Gefängnis bestraft. Was haben wir für ein Glück, in eine Demokratie hineingeboren worden zu sein. Es haben viele lange dafür gekämpft, dass es sie gibt. Das wünsche ich Marokko auch, denn Absolutismus ist keine Folklore.

Das leckere Tanger

Unser Hotel liegt direkt am Place Petit Socco, dem „kleinen Souk“, und sofort verschwinden wir in den malerischen kleinen Gassen voller kleiner Geschäfte mit buntem Trödel – von dem ne ganze Menge sicher aus China kommt 😉 – der Bedarf der Touristen an Souvenirs will ja unaufwändig bedient werden. Hier in dieser alten Stadt, die seit über 3600 Jahren ununterbrochen(!) bewohnt wird, leben Menschen scheinbar mehrerer Jahrhunderte nebeneinander und miteinander verwoben wie in einem dreidimensionalen dynamischen Teppich.

Photo by Taryn Elliott on Pexels.com

Überall dazwischen winzige Cafés, alt oder modern, und in einem davon, mit Blick auf Palmen, den Springbrunnen und das Stadttor Bab Al Fahs am Grand Socco tranken wir den obligatorischen und vor allem leckeren marokkanischen Pfefferminztee, der so elegant in hohem Bogen eingeschenkt wird.

Und dann freute ich mich aufs Abendessen im Restaurant Ahlen. Keine Ahnung, woher das Lokal diesen so deutsch klingenden Namen hat, denn es gibt dort marokkanische Küche. Auf allen Tischen sah und roch man Köstliches und ich genoß mal wieder eine meiner Lieblingsessen:

Pastilla mit Hühnerfleisch.

Ich finde das so lecker, dass hier mal ein Rezept kommt, für alle, die´s mal ausprobieren möchten (aus dem Blog Fernwehküche):

Vorbereitungszeit1 Std. 30 Min. Zubereitungszeit 2 Stdn. 

(es reicht dann aber auch für 11 Personen ;-))

  • 1 ganzes Hähnchen
  • 600 g Zwiebeln gehackt
  • 6 Eier
  • 1 Bund Petersilie gehackt
  • 20 ml Rapsöl
  • 1/2 TL Pfeffer
  • 1 TL Salz
  • 1 TL Kurkuma
  • 1/4 TL Zimt
  • 1 1/2 TL Ingwer
  • 1/2 TL Safranfäden
  • 1 TL Ghee** (alternativ: Butterschmalz)
  • 500 g Filoteigblätter
  • 200 g Mandeln
  • 5 EL Puderzucker
  • 1/2 TL Zimt
  • 200 g geschmolzenen Butter
  • 2 Eigelb
  • 2 EL geröstete Mandelblättchen
  • etwas Honig
  • Puderzucker nach belieben
  • Zimt nach belieben

AnleitungenFür die erste Schicht:

  1. Die Safranfäden in ca. 270 ml Wasser geben, damit sich das Aroma entfalten kann.
  2. Das Öl in einem großen Schmortopf erhitzen und die Zwiebeln darin anbraten.
  3. Wenn die Zwiebeln glasig werden, das Hähnchen und das Ghee hinzufügen und scharf anbraten.
  4. Die Gewürze und Petersilie hinzufügen und alles ca. 10 Minuten andünsten.
  5. Im nächsten Schritt, das Hähnchen mit dem Safran-Wassergemisch ablöschen, den Herd auf mittlere Stufe stellen und alles ca.35 – 40 Minuten vor sich hinköcheln lassen.
  6. Nach der Garzeit, das Hähnchen aus dem Sud nehmen, in eine große Schüssel geben und etwas abkühlen lassen. Mit Hilfe einer Gabel das Fleisch vorsichtig vom Knochen lösen und auseinander rupfen.

Für die zweite Schicht:

  1. Den Herd wieder auf die hohe Stufe aufdrehen um die Zwiebeln einkochen zu lassen. Die Flüßigkeit muss ganz verdampfen, bis die Zwiebeln eine kompottartige Masse erhalten. Regelmäßig umrühren, damit nichts anbrennen kann.
  2. Anschließend die Eier einzeln unter rühren und stocken lassen. Hierbei darf keine Flüßigkeit übrig bleiben, da ansonsten der Filoteig durchnässt wird.
  3. Die Ei-Zwiebel-Masse beiseite stellen.

Für die dritte Schicht:

  1. Die Mandeln blanchieren. Dazu die Mandeln für einige Minuten in heißes einlegen und im Anschluss die Schale abrublen.
  2. Die blanchierten Mandeln im vorgeheizten Backofen bei 180° C ca. 10 – 15 Minuten rösten. Die Mandeln regelmäßig dabei wenden.
  3. Die Mandeln abkühlen lassen und mit Zimt und Puderzucker vermischen. Zum Schluss die Mandeln im Mixer grob hacken.

Jetzt wird geschichtet:

  1. Zu allererst den Backofen auf 180° vorheizen.
  2. Den Filoteig aus der Packung nehmen und ihn einige Minuten liegen lassen. Mit Hilfe eines Dessertrings oder einem anderen Ring
  3. Jetzt benötigst du einen Dessertring oder einen Deckel eines großen Glases. Ich habe die Teigfalle von Tupper verwendet (*Werbung ohne Auftrag).
  4. Die Butter im Wasserbad oder in der Mikrowelle schmelzen.
  5. 2 Filoblätter mit Butter bestreichen und diese in den Desserring legen. Die Mitte etwas eindrücken und ggfs. noch einmal mit Butter bestreichen. Das ist wichtig, da die Filoblätter ansonsten leicht reißen können.
  6. Jetzt wird geschichtet: Als erste Schicht werden die Mandeln auf dem Filoteigboden verteilt. Die zweite Schicht bildet die Ei-Zwiebel-Masse. Als dritte Schicht wird das Hähnchenfleisch auf der Ei-Zwiebel-Masse verteilt.
  7. Seiten und Kanten des Filoteig nochmal mit Butter bestreichen und einklappen. Die Pastilla umgedreht auf ein mit Backpapier belegtes Blech setzen.
  8. Die Pastilla erhalten so eine herrlich krosse Mandelschicht, gefolgt von der süßlichen Ei-Zwiebel-Schicht und den aromatischen Hähnchenfleisch.
  9. Zu guter Letzt, die Pastilla im Backen ca. 20 – 25 Minuten goldbraun backen.
  10. Vor dem Servieren, können die Pastilla mit Puderzucker und Zimt, Honig und/oder gerrösteten Mandelblättchen dekoriert werden.

Rezept-Anmerkungen

** In der marokkanischen Küche wird traditionell Smen verwendet. Smen ist geklärte und gesalzene Butter, die leicht nussig schmeckt.

Smen wir aus frischer Butter hergestellt und ist hierzulande nur sehr schwer zu bekommen. Allerdings ähnelt Smen auch dem indischen Ghee oder unserem Butterschmalz. Allerdings schmeckt das Butterschmalz weniger aromatisch.

Da ich ohnehin ein Glas Ghee im Kühlschrank stehen habe, habe ich das Rezept deshalb mit Ghee zubereitet.

Tipp:

Die Zubereitung der Pastilla ist aufwändig und erfordert einiges an Zeit. Deshalb bereiten sie viele Marokkaner nur zu besonderen Anlässen, wie Ramadan, Geburtstagen oder Hochzeiten zu. Es empfiehlt sich unbedingt das Rezept in der angegebenen Menge zuzubereiten. Die versorgt zwar eine halbe Fußballmannschaft, aber das tolle ist, dass die Pastillas super eingefroren werden können.

Falls du einen Pastilla Vorrat im Gefrierfach anlegen möchtest, dann unbedingt die Pastillas vor dem Backen in eine luftdicht verschlossene Dose, die zum Einfrieren geeignet ist, packen. Die Pastillas können ganz leicht geschichtet werden. Hierzu am besten ein Backpapier dazwischen legen.   

Die Pastillas sind im Gefrierfach ca. 7-8 Monate haltbar.


Und von unserer Dachterrasse genossen wir dann noch den riesigen Vollmond, der mich heute sehr an Pastillas erinnert…

Ankunft in Tanger

Endlich wieder unterwegs! Und endlich nicht mehr mit dem alten Rucksack, der schon aus allen Nähten platzte und einfach schäbig geworden war mit den Jahren. Der neue ist kleiner und bequemer – ich kann und will auch nicht mehr so viel schleppen wie mit 30.

Nach 4 bequemen Stunden Fahrt von Fès aus durch Nordmarokko erreichen wir kurz nach 15 Uhr den Bahnhof in Tanger – oder wie die Marokkaner sagen: „Tandscha“. Bis nach Tangermünde, unsrem Reise“ziel“ sind es von hier aus noch mindestens 2968 km…

Zugabteil 1. Klasse
Bahnhof von Tanger in Marokko
Bahnhof von Tanger

Mit dem Taxi waren wir in wenigen Minuten in unserem Hotel in der Altstadt, ganz in der Nähe der großen Moschee. Die Auswahl war ja riesig gewesen, wir wollten aber wissen, wie es sich für 22,- Euro pro Nacht wohnen läßt, zwar ohne Frühstück, aber mit eigenem Bad und WLAN. Und so landeten wir im Hotel Mauritania und bekamen sogar ein Zimmer mit kleinem Balkon.

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Hotelzimmer

Es ist angenehm, schlicht und sauber – und natürlich viel einfacher als unser stillvolles und geradezu märchenhaftes Riad in Fès, aber dass wir das für den Preis nicht bekommen, wußten wir ja. Dafür ist der Blick von der Dachterrasse über die Altstadt und auf die Straße von Gibraltar grandios.

Und nun wollen wir uns erst mal durch die Medina treiben lassen und sehen, was wir entdecken… Gut, dass ich dann für den Heimweg meine bewährte maps.me – APP habe, ich würde mich sonst hoffnungslos verlaufen…

Moschee

Unsere Nachbarin, die „Große Moschee“. Der Lautsprecher läßt schon ahnen, was uns morgen wecken wird.

Phantasiereisefreiheit

Vielleicht ist meine Info zu versteckt, deshalb hier nochmal für alle „Abonnenten“ meines Blogs: diese Reise ist eine rein virtuelle. Ich sitze derweil warm und trocken – und noch coronafrei, toitoitoi – auf meiner gelben Couch in Kassel und denke mir einfach nur aus, was ich gerne mal „in Echt“ machen würde. Natürlich fließt da auch manches ein, was ich schon erlebt habe oder schon immer mal schreiben wollte 😉

Irgendwann kommt hoffentlich wieder die Zeit, durch die Welt zu reisen. Und wenn nicht, sind sowohl das Universum als auch die Phantasie unendlich…Die Gedanken sind frei….

Und ich freue mich tatsächlich über echte Tipps von Euch für unterwegs, denn für die Strecke zwischen Tanger und Tangermünde kenne ich noch so wenig aus eigener Erfahrung.

Diese Teekanne hab ich mal aus Marokko mitgebracht. Sie müßte wohl mal wieder gewienert werden, damit sie wieder blinken kann…

Tinkerbell

15.8.2020

Und dann nahm mich doch noch der Urlaubsmodus so ein, daß ich nicht mehr bloggen, sondern nur noch sein wollte.

Kaffeetrinken, Spazierengehen, aufs Meer gucken…

Der Qigong-Kurs ging nicht ohne ein gemeinsames Picknick am Strand zu Ende.
Regine erfand noch eine neue Qigong-Figur: "Die Qualle" 🙂

Danach erfreuten wir uns nochmal beim Sonnenuntergang – dem obligatorischen Abendprogramm aller Baltrumtouristen – an der ältesten Boygroup der Insel, den EILÄNDERn, die ja keine Konzerte geben, aber mal hier, mal da beim Proben "erwischt" werden.

Und als es dann schon richtig spät und dunkel war, kam "mein schönstes Ferienerlebnis". Heute muss ich ja keine solchen Aufsätze mehr schreiben, sondern blogge freiwillig – und freue mich über all jene, die durch ein altes "Abo" meines Blogs wieder animiert wurden, mir ein Lebenszeichen zu schreiben.
Danke, Ihr Lieben!!!

Also: am Vorabend hielt ich es noch für vernünftiger und sicherer, nicht im Dunkeln schwimmen zu gehen. Aber da das Wasser gerade so flach ist, daß es eher für Krokodilschwimmen taugt als irgendwas sonst, beschloss ich, es Renate nachzutun. Nackt warfen wir uns ins Wasser und fühlten uns wie Tinkerbell: bei jeder Bewegung im Wasser stoben Funken um unsre Arme und Beine. Das Meeresleuchten ist so unglaublich schön! Ich wusste ja bisher gar nicht, dass es das gibt. Dabei ist das Internet voll von phantastischen Fotos. Ich selbst konnte keine machen, nur genießen.
Ich kann keinem und auch mir selbst nicht versprechen, dass es das Phänomen auch nächstes Jahr wieder geben wird, aber ich möchte auf jeden Fall wieder auf diese erholsame, kinderfreundliche Insel.

Wetterleuchten trieb uns dann irgendwann doch aus dem Wasser.
Wir kamen um Mitternacht gerade noch in unsre Wohnung, bevor ein Gewitter losbrach, das helle Blitze verschleuderte.
Sternschnuppen, Meeresleuchten, Blitze … alles Formen des einen Lichts…

Thy light is in all forms,
Thy love in all beings….

Am Samstag konnten wir noch einen ganzen Strandtag genießen, und es passte gerade, durch das flache Wasser zur vorgelagerten Sandbank zu spazieren, insgesamt ne Stunde hin und zurück. Es sah so witzig aus, weil das viele hintereinander machten, so als gäbe es ne Gehweg.

Ein letzter Imbiss, bevor wir die Fähre um 18 Uhr nahmen (das nächste Mal würden wir wahrscheinlich hin und zurück einfach das neue Wasser-Taxi nehmen, das kaum teurer ist als die Fähre und dafür über viele Stunden verfügbar ist und keine Corona-Sammelstelle).
Ob die dort allerdings auch das 70 Jahre alte Rudi Schuricke – Lied "Auf Wiederseh’n" gespielt wird?

Wetter und Verkehr meinten es gut mit uns, so daß wir Samstag kurz vor Mitternacht in Kassel waren.
Was für erholsame 10 Tage!

"Auf Wiederseh’n, auf Wiederseh’n…"


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Glitzer an den Füßen

Und so gehen die Tage dahin, bestimmt vom Tagesbeginn mit 3 Stunden Qigong schon ab halb 8, danach erst mal ausgiebig frühstücken, Patchwork in Kombination mit Vorlesen, Mittagsschlaf, Kaffeetrinken, Strand, baden, essen, schlafen und wieder von vorn.

Die Qigongübungen haben so schöne Namen, z.B. "Die Unsterblichen malen Bilder" oder "Den Tiger umarmen und zurück zum Berg gehen". Mich macht allerdings der starke Ostwind fertig, er geht mir im wahrsten Sinne an die Nieren, während wir mit Blick auf Norderney üben.

Gestern Abend haben wir etwas Zauberhaftes erlebt, was ich noch nie zuvor gesehen habe: Meeresleuchten.
Unter Sternschnuppen gingen wir gegen 11 an den Strand – und die Nordsee lag im Dunkeln, keine leuchtenden Wellen. Sobald man aber einen Schritt ins Wasser machte, sprühte es bei jedem Schritt wie Funken um die Füße. Bioluminiszenz nennt sich das, hervorgerufen durch berührungssensible Mikroorganismen, was dann aussieht wie Glühwürmchen im Wasser. Und plötzlich kamen auch noch große leuchtende Kreise dazu wie kleine Lampenschirme: Quallen namens Meerwalnuss, die ebenfalls bei Berührung leuchten, aber nicht brennen.
Und wenn man das Ohr ganz dicht übers Wasser hielt, hörte man sie singen: "da oben leuchten die Sterne, da unten leuchten wir".

Der halbe Mond ging gerade über Wangerooge auf wie ein leuchtender Orangenschnitz, als wir unter Sternschnuppen um halb eins wieder nach Hause gingen…


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Jetzt geht’s los!

Sonntag 9. August 2020

Heute begann der Tag sportlich:
da Regine wegen der Hitze den Qigong-Kurs bereits um 8:00 beginnen wollte, mussten wir vorher schon frühstücken und auschecken.
Nun ja, das Frühstück war sehr übersichtlich für 3 x 12 Euro. Zusätzlich hatte Frau Munier die Jalousien runter gelassen – und zwar blickdicht! Nicht dass um 7 schon die Sonne geknallt hätte, aber Frau M. versteht sich eindeutig auf Schikane. Und wir auf Konsequenzen. Auch Elkes am Vortag dekorativ hingestellten "Buchempfehlungen" im Bücherschrank waren schon wieder eingeräumt. Wo kämen wir wohl hin…

Wir waren so schnell fertig, daß wir beschlossen, sogar noch vorm Kurs unser Gepäck zum HAUS STÖRTEBEKER zu bringen. Als wir den Handkarren noch schnell in die ARCHE zurückbrachten, war – ich hatte es nicht anders erwartet – die Jalousie an unseren Frühstücksplätzen schon wieder hochgezogen. Schade. So haben wir keine Lust, nochmal wieder zu kommen.

Kurz nach 8 war unsre neue Qigonggruppe dann unterwegs zum Strand hinter VERHUNGERNIX. 19 Frauen und ein Mann. Wir legten unsre Decken coronagerecht in einen großen Kreis und dann ging’s los.
"Wofür bin ich hier? Was will ich diese Woche erreichen? Was wäre das passende Wort dafür?" Was mir sehr gefällt bei Regines Gruppenführung, ist, daß sich jede (bis auf eine Vorstellungsrunde) ihre Fragen selbst und innerlich beantworten soll, statt es mit allen zu teilen.
Am meisten von allem blieb mir in Erinnerung, daß wir am Ende eine Gehmeditation im Ribbelwatt durch tausende Wattwurmhäufchen vorwärts und rückwärts gemacht haben.
Und daß während der 3 Stunden, wohl weil Sonntag war, x kleine Propellerhüpfer dicht an uns vorbei gelandet sind.
Ich war überrascht, eingegraben im Watt richtig dicke schwarze Austern zu finden, die von oben wie Steine aussahen. Und winzige Seesternchen.
Und im Himmel sah ich eine Giraffe, auf der ein Teddy ritt, auf dessen Ohr gerade ein Schmetterling landete. Und daneben einen Schimpansen, der Flöte spielte. Jeder kann ja irgendetwas besonders gut – ich kann gut in Wolken Bilder erkennen.

In WATT’N GRILL gab’s dann erst mal Matjesbrötchen – in nem "echten" Fischbrötchen, nicht nur schön, sondern auch noch lecker.
Da unsre FeWo bei Torsten Moschner, Regines Bruder, noch nicht fertig war, "mussten" wir halt wieder an den Strand. Diesmal mit richtigen Wellen! Jemand hatte unseren Strandkorb in die erste Reihe gezogen und uns war er viel zu schwer, um ihn zurück zu wuchten. Also Logenplatz.

Ich glaube, ohne meine beiden hedonistischen Begleiterinnen würde ich nicht jeden Tag Kuchen essen, aber was soll man machen…

Dann FeWo bezogen – sehr schön und über 2 Etagen, unterm Dach aber ganz schön heiß. Anstrengend für die beiden, die dort schlafen. Ich schlafe auf der Klappcouch im Wohnzimmer und kann Durchzug machen. Nach links schaue ich vom Bett aus auf den Inselflugplatz, nach rechts auf die Dünen – Baltrum ist wirklich winzig.
Der notwendige Supermarkteinkauf für uns Selbstversorger.
Und dann war Bereit, uns ein leckeres Linsencurry mit Raita zu kochen und Regine kam zum Abendessen dazu. Ihr Zimmer ist im Souterrain dieses Hauses, ihres Elternhauses. Sie gibt schon seit Wochen Kurse auf "ihrer" Insel und ist braungebrannt. Ich verbinde Baltrum so mit Regine, dass ich mich wundere, wieviele Menschen hier sind, die gar keinen Kurs bei ihr machen und ich selbst auch noch gar nicht auf die Idee gekommen bin, daß das ja auch ginge. Dabei ist Inselurlaub sooo erholsam! Und der Sonnenuntergang hier so schön, daß wir uns den nicht entgehen ließen.
Heute sind die Kite-Surfer dabei in ihrem Element.

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Ein perfekter Urlaubstag

8. August 2020

Beim Frühstück verdarben wir es uns mit Frau Munier. Uns war’s in der Sonne am Fenster zu heiß und daher zogen wir einfach die Stores an unsren Platz. Das passte ihr gar nicht, sie bekam allerdings auch die ollen Jalousien nicht runter. Ihre Missbilligung stand danach im Raum wie der berühmte Elefant.

Direkt nebenan gibt’s ein Kruschlädchen und darin offensichtlich auch den Inselfrisör. Nach dem Frühstück wollte ich mal erkunden, ob ich dafür einen Termin brauche. In Kassel hatte ich es nicht mehr geschafft und jetzt vertragen sich meine langen Haare gar nicht mit der Hitze hier. Als die ältere nach ihrem Mann rief, hatte ich kurz Zweifel, ob ich das jetzt wirklich wollte…und dann riskierte ich es. Seine Vorurteile muss man ja auch ab und zu überprüfen…

Gotthard Hagenström hatte nämlich gerade Zeit, es sei Ab- und Anreisetag und daher nichts los. Seine Diplome an der Wand begannen 1967 – da war ich 7! Er hinkte ans Waschbecken, wo mir seit Ewigkeiten mal wieder vornüber die Haare gewaschen wurden und dann schnitt und föhnte er sie mir genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte!!! Ich kam mir gleich 10 Jahre jünger vor 😉 Versuch erfolgreich!

Er erzählte mir missbilligend, dass die ALTE LIEBE nun KLEINE FREIHEIT heiße, weil das Paar sich schon nach einem Jahr Ehe wieder getrennt habe und sie es nun betreibe. Und dass alle Köche der Pizzeria immer ins Dachgeschoss hochlaufen (was wir wie 3 Mrs. Marples von unserem Balkon aus beobachtet hatten), weil sie dort ihre Zimmer haben. Und warum sich das Parken in Nessmersiel so verkomplizierte (eine ausgelaufene Pacht und die Pflicht der Gemeinde Aurich, dem Meistbietenden den Zuschlag zu geben). Und dass es sogar einen Neubau auf Baltrum gebe, wovon die eine Hälfte zu kaufen sei. Wir googleten später bei Immowelt und sahen es: Haus Nr. 12, DHH, 81qm, 160 qm Grundstück für 899000,- ! Da müssen wir noch viel Multimillionärsaft zum Frühstück trinken…

Wir waren dann versuchsweise schon mittags am Strand und sogar ich auch begeistert im Wasser. Es gab kaum Wind und keine Wellen. Die grüne "Windliege" war daher nicht so einfach zu füllen und hielt auch nicht auf Dauer genug Luft, um nicht doch mit dem Hintern zu "stranden". Aber ich werde es weiter versuchen, sie hat, wie man sieht, auch was kuscheliges…

Renate las uns dann "als niederschwelliges Kulturangebot" aus einer Flachwasserschnulze vor, "DAS ORCHIDEENZIMMER", und irgendwann wollten dann doch auch wir wissen, wie’s weitergeht mit Olivia und Harry, auch wenn die Sprache wirklich keine Offenbarung war. "Bestseller" ist eben kein Qualitätskriterium. Sollte ich mein nächstes Buch vielleicht direkt "Bestseller" betiteln? "Hast Du schon den Bestseller von Elisabeth Klug/ von Daisy Popcorn (meinem Pseudonym für "erotische Literatur") gelesen? Nein? Musst Du unbedingt kaufen!"

Na, und dann musste halt mal wieder Kuchen gegessen werden, heute in der TEESTUBE. Drinnen – da schattig und mit Durchzug direkt angenehm. Und der Kuchen vorzüglich.

Zurück zum Strandkorb, den Abend kommen lassen mit seinem immer wieder bezaubernden Farbenspiel vor und nach dem Sonnenuntergang.

Und statt der anvisierten Pizza gab’s am Ende doch wieder ein Restepicknick auf dem Balkon.

Von meinem Bett aus sah ich kurz den großen Wagen und schlief ein.


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